Dark Horizon: Gedanken des Drehbuchautors, Teil II

von Marian Hope

Seit meinem letzten Beitrag hat unser Fanfilm Dark Horizon seine Klickzahl noch einmal verdoppeln können und hat nun bereits über 140000 Zuschauer gefunden. Ich bitte zunächst um Entschuldigung, dass sich die Veröffentlichung dieses Beitrags so sehr verzögert hat, aber ich denke, wir kennen das alle, dass bei den Mühen des Alltags das Hobby mitunter etwas zu kurz kommt. Es gilt das gleiche Vorwort wie beim letzten Mal: Als Drehbuchautor dachte ich mir, dass ich einfach ein paar der Ideen, die ich beim Schreiben des Skripts hatte, mit den Zuschauer_innen unseres Filmes teilen möchte. Ich muss an dieser Stelle jedoch bemerken, dass auch diese Artikel ein Grundwissen über Star Trek voraussetzen, ich fange nicht beim Urschleim an ;).

Teil 2: Figurenkonstellation und Konfliktlinien

In diesem zweiten Teil möchte ich einige Konfliktlinien deutlich machen, die in dem Film bestehen. Denn anders als zum Beispiel in den letzten Filmen unseres großen Vorbilds, in denen es in der Regel einen Bösewicht (Khan, Nero, Shinzon, Ru'afo...) gab, der in irgendeiner Form auf Rache aus war, sind die Zielsetzungen unserer „Bösewichter“ hier andere, ich möchte sogar sagen, vielfältigere. Und ja, ich muss diese Antagonisten auch gleich in Gänsefüßchen setzen, denn so richtig „böse“ ist ja dort keiner. Oder doch?

Ja, okay. Unser Sorel aus dem Spiegeluniversum ist schon ein echt fieser Typ. Der Charakter war übrigens bereits im allerersten Skript von Marcus Jones vorhanden, als noch nicht einmal die Spiegeluniversumsidee stand. Und dort war er bereits als bösartiger, folternder Fiesling vorgesehen. Nun, wir wissen aus Star Trek, dass das Paralleluniversum kein schöner Ort ist, Mord und Totschlag sind allgegenwärtig, Intrigen hier und da. Der wiederkehrende Handlungsstrang bei Deep Space 9 hat uns das gezeigt und auch die Einzelepisoden bei TOS und Enterprise. Und eben in dieser Welt ist der böse Sorel nun aufgewachsen, womöglich als Kind selbst gepeinigt, T'Jul deutet das im Film auch an. Damit wären wir auch gleich bei unserer zweiten Antiheldin, T'Jul. Als man mir sagte, dass unsere Hauptböse eine Vulkanierin sein soll, kam ich erstmal ins Grübeln. In den ersten Entwürfen hatte ich dieser Figur nämlich bereits einige typisch soziopathische Äußerungen in den Mund gelegt, die nun wegfielen. Die Boshaftigkeit musste subtiler und, hoffentlich, dadurch aber auch verstörender werden. Man mag mir Ideenlosigkeit vorwerfen, aber ich fand den Weg, der Vulkanierin einfach die ganzen Sätze des grandiosen Cardassianers Gul Madred aus TNG: "Geheime Mission auf Celtris III" in den Mund zu legen, am Ende sehr stimmig. Und ich denke, durch Clara Bardeens Darstellung haben diese Worte auch eine ganz eigene Interpretation bekommen. Überhaupt denke ich, dass die schauspielerischen Leistungen unserer beiden Hauptbösewichter zu den besten im Film zählen, es mutet beinahe gruselig an, wie sehr unser Sorel in seiner Rolle aufgegangen ist.

Nun mag sich vielleicht der eine oder die andere von euch fragen: Warum fängt er denn ausgerechnet mit diesen Nebencharakteren an? Die Antwort darauf ist einfach: Sorel nimmt insgesamt eine Sonderstellung im Film ein, da er in beiden Universen ähnlich konzipiert ist. Auch in seiner K'Ehleyr-Inkarnation probt er den Aufstand, ist aufbrausend und zweifelt an den Autoritäten. Die Gratwanderung des „guten“ Sorel nimmt daher auch einen wichtigen Teil am Ende des Films ein, um zu zeigen, dass er noch die Wahl hat. Es ist dies ein ähnliches Motiv, wie es auch bei Nemesis zwischen Shinzon und Picard angesprochen wird.

Schauen wir auf die anderen Figuren. Es findet im Grunde im Film ein doppelter, wenn nicht gar ein dreifacher Konflikt statt. Ich hoffe, dass trotz dessen für die meisten Zuschauer alles nachvollziehbar geblieben ist. Bringen wir diese Konfliktlinien auf den Punkt:

Da sind im Paralleluniversum Marcus Jones und die Bajoranerin Ratine, welche das Omegapartikel nutzen wollen, um die Menschheit zu retten. Die technischen Kenntnisse, um das umzusetzen, besitzen allerdings T'Jul und ihre Handlanger wie z.B. McElroy. Sheelah gehört offenbar nicht zu diesen und muss dafür mit dem Leben bezahlen. T'Jul möchte das Partikel jedoch zu anderen Zwecken nutzen als Jones und gerät daher mit diesem im Verlauf des Films aneinander. Im ersten Artikel bin ich auf die unterschiedlichen Ziele der beiden Gruppen bereits eingegangen.

Der Erfüllung dieser Mission steht die K'Ehleyr unter dem Kommando von Commander Logan im Weg. Ich muss wohl zugeben, dass es ein recht großer Zufall ist, dass die K'Ehleyr irgendwo im Gamma-Quadranten diese Machenschaften aufspürt und dann auch noch auf mehrere Gegenstücke der eigenen Besatzung stößt. (Naja, so ist das mit den Quantenrealitäten eben.) Wie auch immer, hier haben wir die zweite Konfliktlinie und sie ist natürlich die actiongeladenste und stellt die Haupthandlung dar. An dritter Stelle steht ein interner Konflikt auf der K'Ehleyr, der nicht zuletzt ein aktuelles gesellschaftliches Problem anspricht: Wie sehr vertrauen wir unseren Autoritäten? Kann eine Nachrichtensperre einfach so hingenommen werden?
Gebetsmühlenartig hebt Logan ein Protokoll der Sternenflotte nach dem anderen mithilfe der Omega-Direktive aus den Angeln, bis es eben zu viel wird. Nicht umsonst fallen die Worte „Freiheit stirbt mit Sicherheit“ in der großartigen Arrestszene. Sorel, Tal'Aura und Phoenix streiten für die heute vielfach geforderte „Transparenz“. Dass nur Sorel dafür schließlich in der Arrestzelle endet, zeigt, dass die Forderung der Meuterer womöglich berechtigt war, Sorel jedoch über die Stränge geschlagen ist.

Ich hoffe, auch dieser zweite Beitrag hat euch die Handlung unseres Films etwas verständlicher gemacht, oder noch besser: Vielleicht habt ihr nun Lust bekommen, ihn euch gleich noch einmal anzuschauen, um diese Einzelheiten alle aufzuschnappen. Vielleicht war euch das jetzt auch noch zu oberflächlich und ihr wollt noch mehr wissen oder einfach eure Meinung dazu abgeben – dann könnt ihr gern auf unserer Facebookseite kommentieren :).

 

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